Y Kollektiv: Merkwürdige Twitch-Doku

© by Twitch.tv


Ach ja, Journalismus ist schon so eine Sache. Ich kann mir fast bildlich vorstellen, wie Menschen in einer Redaktionskonferenz beschließen einen Beitrag zum Streamingdienst Twitch zu produzieren.

So wirklich Ahnung hat keiner von Twitch, von daher muss jemand in die Welt einsteigen. Die Frage, die sich mir stellt, wollte man objektiv berichten oder gab es schon ein Setting in Richtung „alles bedenklich“?

Hier die Doku

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Ich tendiere in Richtung „alles bedenklich“. Die Auswahl der beiden Streamer*innen spricht letztendlich Bände. Da gibt es den spielsüchtigen Ex-Streamer und eine etwas zurückgezogen wirkende Streamerin, deren Real Life anscheindend nur im Internet stattfindet. Ob das wirklich so ist, wissen wir nicht. Da hat man zwei sehr spezielle Personen ausgewählt, nur das ist nicht Twitch. Um wirklich einen Eindruck zu vermitteln hätte man mehrere Streamer*innen zu Wort kommen lassen müssen.

Diese Form von Journalismus finde ich sehr bedenklich, denn es wird ein verzerrtes Bild erzeugt. Natürlich gibt es die spielsüchtigen Streamer*innen bei Twitch. Es gibt auch die einsamen Viewer- und Streamer*innen. Twitch ist aber nicht nur schwarz und weiß, da gibt es viele Graustufen – wie im Real Life auch.

Und ja, treffen mit Freunden ist super. Es gibt aber auch Menschen, die lieber allein sind.

Zudem ist es meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß von on- oder offline zu sprechen. Ich finde den Begriff AFK „away from keyboard“ sehr viel passender. Auch wenn dieses AFK für einige Menschen zum Problem werden kann, eine Analogie zwischen virtuellen und „echten“ Freunden herzustellen halte ich für falsch.

Meinen besten Freunde, die ich schon seit meiner Schulzeit kenne, habe ich seit Jahren nicht mehr getroffen. Wir stehen aber immer im Kontakt – telefonisch, über das Internet, Messanger etc. Am Gefühl der tiefen Freundschaft hat sich nie etwas geändert. Die körperliche Präsenz spielt da eher eine untergeordnete Rolle. Das kann man sicherlich auch erleben, wenn man Menschen lange Zeit nur aus dem Internet kennt.

Die Doku erweckt irgendwie den Eindruck das alle Streamer*innen fürchterlich einsam sind, keine Freunde*innen haben und das durch das Streamen kompensieren. Entschuldigung, aber das ist totaler Quatsch.

Natürlich kann man so ein großes Universum wie Twitch nicht in einem kurzen Beitrag abbilden. Ich hätte mir nur gewünscht, dass man da etwas unbefangener ran gegangen wäre.

Mich erinnert das so ein bisschen an die frühere Meinung, dass nur Holzspielzeug pädagogisch wertvoll ist. Wer sich mit Plastikspielzeug beschäftigte war schon irgendwie suspekt. Und wehe man hat sich noch für Rechner interessiert, da wurde einem gleich ein Leben in Einsamkeit angedichtet – im dunklen Keller mit Hornbrille.

Ganz ehrlich, ich kritisiere auch vieles bei Twitch, nur die Y-Doku zeigt nicht im Ansatz was Twitch eigentlich ist.

Andreas

Nicht mehr so ganz knackig, macht was mit Audio, ist Gamer und mag Gadgets.

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