Waaas, Sprachassistenten belauschen uns beim Sex?

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Bild von Kaufdex CC0 by Pixabay

Sprachassistenten sind anscheinend voyeuristisch veranlagt.

Vor wenigen Tagen hat sich herausgestellt, dass auch Apples Sprachassistentin Audioaufnahmen nach fehlerhaften Aktivierungen macht. Eigentlich sollen Sprachassistenten erst dann aktiv werden, wenn das Aktivierungswort genannt wird. In diesem Fall lautet es „Hey Siri“, aber durch ähnlich klingende Worte oder mit dem Geräusch eines Reißverschlusses soll sich Siri auch einschalten. Außerdem wird sie auch dann wach, wenn eine Apple Watch angehoben wird und jemand in der Nähe spricht. Das berichtete ein Vertragsmitarbeiter dem Guardian.

Solche Vertragsmitarbeiter werten stichprobenartig Gesprächsfetzen aus, sogenannte Sound Bites. Im Prinzip geht es dabei um Qualitätskontrolle, die einen sehr bitteren Beigeschmack hat. Im schlechtesten Fall werden Aufnahmen sehr intimer Gespräche von Mitarbeitern gehört, ausgewertet und transkribiert. Eigentlich sollen solche Mitschnitte anonymisiert übertragen werden, aber das war wohl nicht immer der Fall.

Überraschung, alle Assistenzwanzen machen das.

Egal ob Alexa, Siri, Google Assistent, Cortana &Co, fehlerhafte Aktivierungen sind bei weitem keine Seltenheit. Ungewollt aufgezeichnete Gesprächsfetzen werten alle Unternehmen aus. Teilweise sollen solche Auswertungsaufträge sogar an Zeitarbeitsfirmen vergeben worden sein. Das sind hochsensible Daten, die nicht in die Hände externer Dienstleister gehören.

Mittlerweile haben Google, Apple und Amazon diese Art von Auswertung erst mal gestoppt. Amazon hat sehr schnell reagiert und der Alexa-App einen zusätzlichen Optionsschalter gegönnt, mit dem man der Auswertung und Transkription durch Mitarbeiter widersprechen kann. Das hätte von Anfang an Standard sein müssen und sollte für alle Sprachassistenten gelten.

Mal Butter bei die Fische

Wir regen uns zurecht über immer mehr staatliche Überwachung auf, stellen uns dann aber Wanzen milliardenschwerer Tech-Unternehmen in die Bude. Ich kann mich da gar nicht ausschließen und die Betonung liegt eigentlich auf „kann“. In meinem Fire-TV lebt Alexa, auf meinem iPhone und iPad ist Siri zu Hause und mit einem Echo Show 5 liebäugelte ich auch schon. Eigentlich müsste ich irgendwo im Wald leben, fern von modernen Errungenschaften und ohne Internetzugang. Nun gut, das ist in Deutschland vielerorts noch möglich, aber für mich leider schon zu spät.

Letztendlich wissen diese Unternehmen fast alles über mich, nur will ich nicht in einer virtuellen WG mit Siri, Alexa und Co leben. So spannend Sprachassistenten auch sind, persönlich nutze ich sie nicht. Weder verwende ich die Spracheingabe des Fire-TV, noch Siri auf meinen Apple Devices. Den Echo Show 5 habe ich auch nicht gekauft. Natürlich kann man Kamera und Mikrofon abschalten, nur die Schere im Kopf bleibt.

Wir müssen uns selbst eine sehr wichtige Frage stellen.

Eine KI muss lernen, ähnlich wie ein Kleinkind. Möchten wir Eltern sein, die das Kind auf seinem Weg begleiten oder nicht?

Eigentlich wäre das toll, da wir alle Teil eines großen Ganzen sein können. Etwas, was diese Welt zu einem besseren Ort machen könnte, Wissenschaft vorantreibt und vieles mehr. Wir trainieren aber die künstlichen Intelligenzen von Wirtschaftskonzernen, die mit unseren Daten unheimlich viel Geld verdienen und immer mehr Macht erlangen. Und werden sie bei irgendeiner Schweinerei erwischt, zahlt man eben mal einige Milliarden aus der Portokasse und weiter geht die Datenparty.

Letztendlich profitieren auch Staaten vom Überwachungskapitalismus, von daher wird man meiner Meinung nach nicht härter durchgreifen. Man kann Hand in Hand immer weiter in unsere Privatsphäre eindringen.

Die gute Nachricht: Man muss da nicht mitmachen.

Und wer jetzt meint:“ Ich habe ja nichts zu verbergen“, den besuche ich um seine Unterwäscheschublade zu inspizieren. Vielleicht finde ich dort ja auch Sexspielzeug.

Meine Unterwäsche ist übrigens ganz OK, aber das geht euch nichts an 🙂

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