Oh Tannenbaum 2022

Tja, morgen ist es wieder soweit. In die heimischen Wohnzimmer zieht der Nadelwald ein und ich mache mir zum Jahresende einige Gedanken.

Als Kind habe ich Weihnachten geliebt. Den geschmückten Weihnachtsbaum durfte ich immer erst zur Bescherung sehen und alles war immer so festlich und aufregend. Am zweiten Weihnachtstag kamen dann immer die Großeltern und wir saßen alle an einem großen Tisch und genossen das gemeinsame Essen. Das war immer ein Gefühl von Geborgenheit.

Über die Jahre blieben dann immer mehr Sitzplätze am großen Familientisch leer und nach dem Tod meiner Mutter im letzten Jahr gibt es ihn gar nicht mehr. Ich bin der letzte lebende meiner Familie, von daher bleiben mir nur noch die schönen Erinnerungen.

Foto einer Weihnachtsdeko. Auf dem Boden sieht man zwei  Elche mit Weihnachtsmützen auf zwei kleinen Holzschlitten. In der Mitte steht ein kleiner, schneebedeckter Plastikbaum  ohne Blätter mit LED-Lampen in den Zweigen.

Der blaue Vogel

Nicht so schöne Erinnerungen habe ich an Twitter. Auch wenn mein Account dort aus den Anfangszeiten stammte, viel es mir nicht schwer ihn endgültig zu löschen. Nach dem Kauf durch Elon Musk war mir klar, bei Twitter möchte ich nicht bleiben. Schon vorher war der Umgangston dort kaum noch zu ertragen, auch wenn ich damit irgendwie zurechtkam. Für mich war Twitter eine wichtige News-Quelle, nur man kann einfach nicht ignorieren was dort gerade passiert. Wer sich diesbezüglich genauer informieren möchte, dem empfehle ich den Podcast Haken Dran.

Privat habe ich seit 2018 einen Account bei Mastodon, den ich mal mehr oder weniger bespielt habe. Mittlerweile sind Mastodon und das Fediverse mein Zuhause. Auch das Blog hier ist bei Mastodon mit einer eigenen Instanz vertreten.

Mir reicht es einfach

Ich habe vom Aufmerksamkeits- und Datenkapitalismus einfach die „Schnautze“ voll. Sich dem zu entziehen ist leider nicht ganz einfach und auch nicht immer möglich. Mein erstes dezentrales Netzwerk hieß Mailbox. Ich betrieb damals eine und war Teil des FidoNet. Später wurde ich dann Opfer von AOL und Compuserve, sozusagen ein anachronistisches Facebook. Man hielt sich in einem Walled Garden auf und bekam das freie Internet erst mal gar nicht zu sehen. Als ich da irgendwann mal raus fand, eröffnete sich mir eine ganze neue Welt. Ich lernte HTML, später Javascript, CSS, PHP usw. und stellte selber Seiten, Foren und später Blogs ins Internet.

Mich hat diese Zeit sehr geprägt und es war mir immer wichtig die Hoheit über meine Daten zu behalten, zudem war Plattformunabhängigkeit für mich das oberste Gebot. Zeiten ändern sich, aber keines meiner Smartphones hat jemals WhatsApp gesehen. Wer mich erreichen will, der muss mich halt anrufen oder Signal verwenden. Threema geht auch. FOMO (Fear of missing out) geht mir persönlich am Anus vorbei.

Ich habe weder einen Account bei Instagram, Facebook, TikTok, YouTube und Co. Aber ich hatte einen Amazon Prime Account, war bei Twitter aktiv, schaue ganz gern mal Twitch, Netflix, Disney+ und Spotify fand ich auch mal ganz gut. Alles Unternehmen von Datenkapitalisten, die einen bis in die DNA hinein tracken.

Damit Anfangen etwas zu ändern

Ganz raus kommt man da nie, aber man kann damit anfangen etwas zu ändern. Das fängt schon beim Browser an. Ich nutze seit Ewigkeiten den FireFox-Browser. Richtig konfiguriert und mit Erweiterungen wie z. B. uBlock Origin, ClearURLs usw. schon mal sehr viel besser als Microsoft Edge oder Google Chrome. Zudem nutze ich als Suchmaschine nur noch metaGer und selten mal Startpage.

Um Texte aus dem Netz später zu lesen oder zu archivieren nutzte ich lange Zeit Pocket. Diesen Dienst habe ich durch die Open-Source-Lösung Wallabag ersetzt. Dazu gibt es im Blog auch einen Beitrag. Wer da nicht selber installieren und verwalten will, der kann sich eine Instanz bei einem französischen Anbieter mieten.

Als Passwortmanager nutzte ich lange Zeit 1Password, allerdings nie in der Cloud. Mittlerweile nutze ich KeePassXC und bin damit sehr zufrieden. Das ist keine Cloud-Lösung und die wollte ich auch nie, aber man kann die Datenbank der Passwortverwaltung in einer Cloud speichern und auch auf allen Geräten synchron halten – wenn man das denn will.

Weiterhin kommt bei mir Nextcloud zum Einsatz, eine Open-Source-Cloud-Lösung. Die lässt sich sogar auf Webspace oder als Docker-Image auf einem NAS installieren. Es gibt auch die Möglichkeit sich eine Nextcloud zu mieten – z. B. bei Hetzner (keine Werbung).

Als Mailclient kommt bei mir Thunderbird zum Einsatz und als Mailprovider mailbox.org. Zudem nutze ich noch die Mailaccounts dieser Domain hier.

Als Textverarbeitung verwende ich Libre Office und als Texteditor Notepad ++.

Auf mobilen Geräten, bei mir Apple, nutze ich AdGuard Pro. Auf den Geräten wird eine lokale VPN-Schnittstelle erzeugt, durch die alle ankommenden und ausgehenden Datenpakete geschleust werden. So bekommt AdGuard Einblick in den ein- und ausgehenden Datenverkehr und kann ungewollte Datenflüsse unterbinden. Es lassen sich auch vom System vorgegebene DNS-Server überschreiben. AdGuard ist ein Open-Source-Projekt, kostet als App allerdings einmalig Geld. Natürlich spielt hier Vertrauen eine große Rolle, denn sämtlicher Datenverkehr läuft durch den lokalen Tunnel und wird untersucht.

Mein größtes Problem, Windows

Eigentlich möchte ich mich schon lange von MS-Windows verabschieden. Das Betriebssystem erinnert mich immer an den Film ET – nach Hause telefonieren. Ich würde gern auf Linux umsteigen, nur leider ist das für mich nicht so einfach möglich, denn hauptsächlich nutze ich meine Rechner für die Audioproduktion. Reaper oder Bitwig könnten unter Linux funktionieren, aber die Anbindung externer Hardware kann wirklich zum Problem werden. Zudem nutze ich Ableton und die DAW unter Wine laufen zu lassen kann eigentlich nur zu Latenzproblemen führen.

Mal sehen ob ich da noch eine Lösung finde, aber grundsätzlich möchte ich einfach weg von diesen ganzen Datenkapitalisten. Man kann sich da nicht einmal freikaufen. Ich zahle für ein Betriebssystem Geld und trotzdem greift man an jeder Stelle Daten ab. Ich abonniere einen Dienst, installiere die App auf dem Smartphone und trotzdem werden Profildaten erstellt und zur eigenen Bereicherung genutzt. Mich kotzt das nur noch an.

Na ja, am Samstag kehrt bei mir erst mal etwas Besinnlichkeit ein. Ich werde mir etwas leckeres kochen und dann vielleicht mal Old School alle Star Wars Episoden auf DVD durchsuchten.

Ich wünsche allen Lesen ein frohes Weihnachtsfest.