In da house: Geladene Gäste talken im iOS-Clubhouse

clubhouse
Image by Gerd Altmann from Pixabay

Die App-Clubhouse ist der „neuste heiße Scheiß“ – eine auf Audio basierte Umgebung für live-podcasts.

Nun ja, als ambitionierter Podcasthörer habe ich selten live-streams meiner gern gehörten Podcasts verfolgt. Für mich ist die Stärke des Formats Zeitsouveränität, Abrufbarkeit und die freie Verbreitung via RSS-Feed, fern von walled gardens wie Spotify & Co.

Clubhouse funktioniert da etwas anders. Im Prinzip könnte man den Dienst mit Twitch vergleichen, nur eben mit Audio- statt mit Videoinhalten. Bei Twitch gibt es eine wirklich große Anzahl an Kanälen. Man kann zusehen oder auch nur hören, ohne sich irgendwie beteiligen zu müssen. Wenn man das will, schreibt man etwas in den Chat, der moderiert wird. Zudem kann man mit seinem Twitch-Account auch zum Sender werden.

Im „Clubhouse“ eröffnet man Räume, die öffentlich oder privat sein können. Wer Räume betritt, kann einfach nur zuhören oder sich beteiligen. Wer reden möchte, kann das anzeigen, muss aber von Moderatoren zugelassen werden, damit er sich am Gespräch beteiligen kann.

Gespräche werden nicht aufgezeichnet

Die geführten Gespräche werden angeblich nicht aufgezeichnet. Mitschnitte über die App sind nicht möglich … aber.

Billiglösung zum Aufzeichnen: Den Lautsprecher des Smartphones nutzen und mit einem externen Aufnahmegerät aufzeichnen. Fortgeschritten: USB-C Audiodevice an das Smartphone anschließen und mit sehr guter Qualität am Rechner aufnehmen.

Nicht das ich das empfehlen möchte, nur die beworbene Vergänglichkeit von Gesprächen ist ein Witz. Zudem ist für mich aus den TOS nicht ersichtlich, ob die Betreiber Gespräche aufzeichnen und wenn ja, was mit den Aufzeichnungen passiert. Zudem möchte man beim ersten starten der App erst mal das Adressbuch auslesen – natürlich nur um Freunden Einladungen zu schicken. Hey, wir sind da alle „in da house“ – Zwinkersmiley

Aber Vorsicht. Wenn dein Freund oder deine Freundin im Clubhouse eskaliert, dann fällt das auf dich zurück. Du oder dein Adressbuch haben die Person in den Club gebracht – tja, dumm gelaufen.

Ohne Einladung kommt man auch nicht in den exklusiven Club. Man muss von einem bereits aktiven Nutzer eingeladen werden. Wenn du in seinem Adressbuch stehst, deine Daten aber gar nicht weitergeben wolltest – pech gehabt. Du könntest jetzt Clubmitglied werden.

Zudem ist nicht wirklich ersichtlich, in welchem Umfang dort Daten gesammelt werden und wie sie verwendet werden. Auch das Geschäftsmodell lässt viele Fragen offen.

Warum darf nicht jeder in den Club?

Ja, hmmm, die Infrastruktur könnte anfällig sein. „Oh Gott unsere Server, wir haben Angst vor dem Ansturm“ – bei reinen Audiostreams irgendwie zum Lachen. Das ist einfach nur Marketing und nennt sich künstliche Verknappung. Zudem spielt man mit der Angst etwas zu verpassen (FOMO – fear of missing out), da in den Räumen von Clubhouse nur live gestreamt wird. Eine Möglichkeit zum Nachhören gibt es nicht.

Man hat Promis, Politiker und die Avantgarde der Tech-Szene ins Boot geholt. In Deutschland eröffnen viele aus der Tech-Bubble dort Räume und führen Gespräche. Das sind die, die zurecht auf die Gefahren im Internet und soziale Medien hinweisen, sich aber die Clubhouse-App installieren. Ganz ehrlich, die kann ich nicht mehr ernst nehmen. Allein schon über Twitter den nächsten Clubhouse-Talk anzukündigen – an dem nur ein auserwählter Kreis teilnehmen kann (Einladung und Apple-Device als Voraussetzung) – ganz ehrlich, da kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln.

Datenschutzrechtlich scheint die App eine Katastrophe zu sein, von daher wurde sie auch vom deutschen Verbraucherschutzverband abgemahnt (Heise-Artikel).

Diese App zeigt sehr deutlich, dass Trendy zu sein höher bewertet wird als Partizipation (Aller), Datenschutz und Inklusion.

Nicht mehr so ganz knackig, macht was mit Audio, ist Gamer und mag Gadgets.

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