E-Zigaretten sind gar nicht so cool

E-Zigaretten

Ganz ehrlich, ich kann es nicht mehr hören.

Gerade unter jungen Menschen existiert die weit verbreitete Meinung, dass E-Dampfen ja nicht so schlimm ist. Klar, gesund ist es nicht, aber schlimm?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, es ist schlimm und ungesund dazu. Für Raucher, die es nicht schaffen aufzuhören, ist die E-Zigarette sicherlich das geringere Übel, aber das war es dann auch schon. Die Sucht, und alles was damit zusammenhängt, bleibt bestehen.

Raucher wissen das, aber mir geht es mehr um die jungen Neueinsteiger.

Ich habe 35 Jahre lang 20 Zigaretten am Tag geraucht, manchmal auch mehr. Vor 5 Jahren bin ich dann komplett auf die E-Dampfe umgestiegen. Eigentlich ist es total einfach mit dem Rauchen aufzuhören, ich habe das in meinem Leben schon mehr als 100 mal geschafft.

Sucht ist ein fürchterliches Arschloch, denn sie bestimmt dein Leben. Freiheit und Lebensfreude, mit der Tabakkonzerne gern werben, ist eben nur Werbung und sehr weit von der Realität entfernt. Wenn du nach Ladenschluss plötzlich feststellst, dass dir die Zigaretten ausgegangen sind oder du kein Liquid mehr hast, wirst du erleben wie frei und unabhängig du wirklich bist. Zigaretten kann man noch an der Nachttankstelle kaufen, beim Liquid wird es dann schon kompliziert.

Du wirst in deinem suchtkranken Leben immer dafür sorgen müssen genug Zigaretten oder Liquid vorrätig zu haben, damit du den Suchtdruck nicht aushalten musst. Und hey, du unterscheidest dich nicht von einem Alkoholiker, Heroinabhängigen oder Methkonsumenten, denn im Kern geht es um die gleiche Sache – mal abgesehen von den Entzugsbeschwerden, dem sozialen Abstieg und der Geschwindigkeit des körperlichen Verfalls.

Kein Heilsbringer

Die E-Dampfe ist kein Heilsbringer und garantiert nicht so „cool“ wie viele, gerade junge Menschen, glauben. Eigentlich bin ich der Meinung, dass die Dampfe im Gegensatz zur Tabakzigarette ein fast noch größeres Gefahrenpotential darstellt, da sie eine Art Nerdstatus genießt. Eine einfache Tabakzigarette zündet man an und fertig. In der E-Dampf-Welt sieht das ganz anders aus. Da geht es um Akkuträger, Coils, Selbstwickler, Ohm, Subohm, Watt und vieles mehr. Befeuert wird das durch zahlreiche YouTube-Kanäle. Das ist für Exraucher mit technischem Interesse, die dann doch an der Dampfe hängengeblieben sind, ganz interessant, nur irgendwie auch ein Einstiegspunkt für junge Menschen das ganze mal auszuprobieren. Viele Akkuträger sehen einfach „geil“ aus, mit selbst gewickelten Coils noch mehr Dampf und Geschmack erzeugen, die richtige Watte usw. Das hat etwas von Bastelstube und dabei wird ausgeblendet das man letztendlich nur eine Sucht aufrecht erhält oder sich in eine begibt.

Gar nicht so toll

Als Ex-Tabakraucher, der auf eine E-Zigarette umgestiegen ist, könnte ich mir jeden Tag beide Hände vor das Gesicht halten. Ich hätte ganz mit dem Inhalieren von Rauch oder Dampf aufhören müssen. Als ich von der Tabakzigarette auf die E-Dampfe umstieg, kam es mir total bescheuert vor an einem elektrisch betriebenen „Inhalationsgerät“ Dampf einzuatmen und die von den Dampfern beschriebenen „Geschmacksexplosionen“ blieben aus. Heutzutage, mit sehr gutem Equipment, empfinde ich das nicht anders. Egal ob Premium-Liquid oder nicht, alles schmeckt letztendlich chemisch. Wenn ich den Geschmack von Kirschen will, dann esse ich Kirschen. Was ich mit meiner Dampferei tue, ist nichts anders als meine Sucht zu befriedigen. Das hat letztendlich nichts mit Geschmack, dem Interesse an Technik oder sonst was zu tun.

Als noch sucht abhängiger Mensch anderen zu empfehlen lieber die Finger von der Droge zu lassen halte ich für wenig produktiv. Besser wäre es, ich hätte mich von meiner Nikotinsucht befreit. Trotzdem ist es mir ein Anliegen, gerade jungen Menschen zu sagen: „Lasst die Finger von der E-Dampfe.“ Egal wie „cool“ die sind, sie sind es nicht Wert seine Freiheit aufzugeben.

Für Tabakraucher eine Option

Tabakrauchern kann ich sagen, ein Umstieg auf die E-Zigarette ist gar nicht so schwer. Man muss allerdings konsequent sein und komplett auf die Raucherstäbchen verzichten, sonst läuft man Gefahr nie wirklich von der Tabakzigarette los zu kommen. Ein Mischkonsum ist letztendlich total bescheuert, da man sich ein weiteres Gefahrenpotential ins Bot holt.

„Aber hey, ich rauche dann ja weniger Tabakzigaretten.“
Das ist gelinde gesagt total egal, denn weniger Rauchen ist nicht weniger riskant und auch nicht gesünder.

Ich habe auch eine gewisse Zeit gebraucht um den Umstieg zu schaffen. Als Tabakraucher ist die E-Zigarette erst mal, vorsichtig ausgedrückt, überhaupt kein Ersatz. Alles ist anders. Man zündet nichts mehr an, der Geschmack ist überhaupt nicht vergleichbar mit einer Tabakzigarette und auch das gewohnte ziehen an einem Glimmstängel verhält sich bei einer E-Zigarette ganz anders. Ich konnte mir damals nicht vorstellen langfristig daran festzuhalten. Heute kann ich mir nicht mehr vorstellen eine Tabakzigarette zu rauchen, da ich den Geschmack und den Geruch einfach ekelhaft finde.

Und ja, es gab auch positive Effekte. Innerhalb kürzester Zeit konnte ich besser durchatmen, schmecken und ich fühlte mich viel fitter. Unter dem typischen Raucherhusten hatte ich komischerweise nie wirklich zu leiden, aber meine Atmung war sehr viel schwerer als nach dem Umstieg. Das man nicht mehr nach Aschenbecher riecht ist natürlich sehr zu begrüßen und das die Wohnung, egal welche Wandfarbe man verwendet, nicht mehr in Nikotinbraun erstrahlt ist auch schön.

Aber, und da mache ich mir nichts vor, habe ich meine Sucht nur verlagert. Sich Tabak oder Dampf direkt in die Lunge zu ziehen ist total bescheuert. Letztendlich gibt es den angeblich gesünderen, risikoärmeren Konsum nicht.

Botschaft und eine Geschichte

Und mit dieser Botschaft möchte ich mich speziell an junge Menschen richten, die überlegen mit dem Dampfen anzufangen. Mir ist bewusst das der Konsum schädlich ist, trotzdem gehe ich das Risiko ein. Das mache ich nicht, weil ich besonders mutig bin. Nein, das mache ich weil ich süchtig bin und eine Suchtabhängigkeit kann unheimlich stark sein.

Vor drei Jahren bekam ich plötzlich einen sehr trockenen Husten. Ich konnte, und das ist wirklich nicht übertrieben dargestellt, vor lauter Husten kaum noch ein Gespräch führen. Mir tat wirklich alles weh, da die Muskulatur durch das andauernde Husten stark belastet wurde. An Schlafen war kaum zu denken, da ich wirklich 24 Stunden am Tag schlimmen Husten hatte.

Mein Hausarzt behandelte mich erst mal konventionell mit Verdacht auf Bronchitis. Als nach einer Wochen keine Besserung zu verzeichnen war wurde ich zum Röntgen der Lunge geschickt. Glaubt mir, als jemand der sich jahrelang Zeug in die Lunge gezogen hat, psychisch gesehen kein schönes Gefühl. Das Röntgenbild zeigte eine Raucherlunge ohne Verdacht auf eine bösartige Erkrankung, was letztendlich aber nicht immer aussagekräftig sein muss. Der Husten hörte nicht auf und mein Hausarzt überwies mich zu einem Lungenfacharzt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt bekam ich wirklich Angst. Schlimm waren für mich die ewig langen Wartezeiten bezogen auf Termine und Ergebnisse. Um es abzukürzen, ich habe 4 Monate lang unter diesem schrecklichen Husten gelitten. CT und Bronchoskopie blieben mir erspart, da man aufgrund zahlreicher Untersuchungen vermutete das es sich um Keuchhusten handeln könnte. Hätte sich mein Zustand nicht gebessert, hätte ich das volle Programm über mich ergehen lassen müssen.

Während dieser Zeit habe ich nicht einmal die Dampfe angefasst. Ich hatte eine scheiß Angst und der Suchtdruck war total ausradiert. Da mir immer bewusst war, was ich meiner Lunge antue, rechnete ich wirklich mit dem Schlimmsten. Und ganz ehrlich, dass möchte man nicht erleben. Heute kann ich mir, sicherlich nur im Ansatz, vorstellen was Menschen mit einer Krebsdiagnose durchmachen müssen.

Bei mir war lange Zeit unklar warum ich andauernd huste und in dieser Zeit hatte ich einen ganz anderen Blick auf das Leben. Nichts war mehr so wie vorher, irgendwie befand ich mich in einer anderen Welt. Was mir sehr gut im Gedächtnis geblieben ist, war das morgendliche Aufwachen – wenn man vor lauter Husten überhaupt mal schlafen konnte. Für wenige Minuten befand man sich in seinem gewohnten, alten Leben und dann viel plötzlich der Vorhang runter: Ok, dass ist jetzt nicht dein altes Leben.

Warum ich das hier so ausführlich beschreibe?

Ganz einfach. Als es mir besser ging, meldete sich plötzlich wieder die Sucht und ich fing nach 4 Monaten Abstinenz wieder mit dem Dampfen an.

Sucht ist ein fürchterliches Arschloch, von daher fangt gar nicht erst damit an euch psychoaktive Substanzen wie Nikotin, egal in welcher Form, zuzuführen. Egal wie „cool und nerdig“ die ganze E-Dampfer-Szene auch ist, lasst die die Finger von der E-Zigarette. Das gilt auch für nikotinfreie Liquide, denn der Mechanismus an etwas zu ziehen ist Teil der Sucht. Fragt mal Exraucher, was sie am meisten vermissen. Viele werden Antworten, etwas in der Hand halten zu können um ein gewohntes Ritual zu vollziehen.

Gebt eure Freiheit nicht auf.
Sucht wird immer Teil eures Lebens sein, auch wenn ihr sie nicht mehr bedient.

Andreas

Nicht mehr so ganz knackig, Audiofreak, ehemaliger Mailbox- und Forenbetreiber.

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