Beginn einer Odyssee: Auf der Suche nach einer passenden WC-Brille

Eigentlich ein scheiß Thema, aber einer muss ja mal darüber schreiben.

Stellt euch vor, ihr klappt den WC-Deckel eures Porzellanthrons hoch und haltet ihn mitsamt Brille plötzlich in beiden Händen. Dann ist die Kacke sprichwörtlich am Dampfen.

Bild von einer neuen WC-Sitzkombination

Neue WC-Sitzkombination

Als ich in meine Dachwohnung vor ca. 16 Jahren einzog, kam mir die Badezimmerinstallation des Vormieters etwas übertrieben vor. Meine Nasszelle ist mit einem sehr großen Waschbecken, teuren Armaturen und einem Thron ausgestattet, der den Namen auch wirklich verdient. Man kann gar nicht so viel essen, um den Raum der Schüssel auch nur ansatzweise auszulasten. Auf dem angsteinflößenden WC-Deckel hätte man locker eine Staffel „Let‘s Dance“ produzieren können – ein alter Pressalit Formula A, sehr schwer und fast unverwüstlich. Leider sind die Scharniere nach fast zwei Jahrzehnten in Rente gegangen. Ab hier beginnt eigentlich meine Odyssee.

Auf der Suche nach neuen Scharnieren

Ersatzteile für ältere Produkte zu finden gestaltet sich immer schwierig. Ich war auf der Suche nach Scharnieren für meine Nobel-Klobrille. Die kauft man nicht einfach mal so bei Amazon. Was mir allerdings nicht bewusst war, dass die meisten Ersatzteilanbieter an der Jahrhundertwende vorbei gesprungen sind und immer noch diese uralten Shop-Systeme betreiben. Willkommen in der Welt von Data-Becker und Co. Wenn überhaupt Produktbilder vorhanden sind, dann sind sie selten größer als eine Briefmarke und die Suchfunktion solcher Shops verhält sich in etwa so smart wie eine Scheibe Toastbrot.

Bei einem Anbieter glaubte ich die passenden Scharniere gefunden zu haben und das nur aufgrund eines Bildes in Icon-Größe. Maße wurden gar nicht erst angegeben. Die hätten mich 60 Euro gekostet. Ersatzteile für ältere Produkte sind halt teuer, nur ohne Maßangaben war mir das zu riskant.

Ganz ehrlich, die anachronistische Shop-Präsenz vieler Ersatzteilhändler ist einfach nur peinlich. Seinen Luxussitz auf biegen und brechen wieder funktionsfähig zu machen auch, von daher entschied ich mich für den Kauf einer neuen Sitzkombi – bestehend aus Deckel und Brille.

Passend für alle handelsüblichen WC-Becken

Absenkautomatik, Edelstahlbefestigung, Exenterscharnier, Steckbefestigung, durchgehende Scharnierwelle, Montage von oben oder unten, ovale Form, D Form …. phu.

Eigentlich wollte ich nur einen neuen WC-Sitz kaufen. Das man sich mit dem Thema etwas eingehender beschäftigen muss, nur weil man den König der WC-Schüsseln in seinem Badezimmer beheimatet, wusste ich nicht.

Bei meinem Luxus-Thron handelt es sich um eine geschlossene Keramik. Halterungen für die Scharniere lassen sich nur von oben montieren. Die weit verbreitete Befestigungsmöglichkeit mit Scharnierwellen und Flügelschrauben fällt da schon mal flach, Nylondübel und Co gehen. Soweit so gut.

Im Internet findet man Sitz-Equipment wie Sand am Meer. Viele Händler zeigen tolle Produktfotos und teilweise auch Videos, wie soft z.B. eine Absenkautomatik agiert, erwähnen aber nicht die Montageart. Von der gängigen Produktbeschreibung „passend für alle handelsüblichen WC-Becken“ habe ich nachts schon geträumt.

So richtig am Arsch ist man, wenn Händler es versäumen den minimalen und maximalen Lochabstand anzugeben. Ich meine, wir befinden uns thematisch nicht auf dem Golfplatz. Je nach Bauart des Throns ist der Abstand beider Löcher für die Befestigung der Sitzkombi unterschiedlich.

Auf meiner Suche nach einem neuen WC-Sitz ist mir eigentlich alles begegnet. Entweder fehlten Angaben über Lochabstände, Breite oder Tiefe des Sitzes, der Montageart etc. – einfach nur nervig.

Es kann doch nicht so schwer sein, wirklich alle Maße und ganz besonders die Montageart in die Produktbeschreibung aufzunehmen. Als Sahnehäubchen könnte man vielleicht noch ein einfaches Foto des Montagematerials hinzufügen.

Bild - Nylondübel und Halterungen für WC-Deckel

Nylondübel und Halterungen für WC-Deckel

Wie man es richtig macht, kann man sich z.B bei wc-sitze.de ansehen. Das soll keine Werbung sein, denn ich blogge hier rein privat. Die Produktsuche lässt sich nach Montageart filtern. Zudem ist jedes Produkt mit Abmessungsangaben versehen – Top!

Leider bekam ich dort keinen WC-Sitz mit den passenden Lochmaßen, da meine Keramik halt einen auf dicke Hose macht. Letztendlich wurde ich dann doch noch bei Amazon fündig, nachdem ich mich dort stundenlang durch ein Tal der Tränen klicken musste. Alle Anbieter mit Maßangaben-Demenz, die mir vorher schon im Internet begegneten, haben bei Amazon natürlich einen Shop – fürchterlich.

Absenkautomatik, was für ein Scheiß

Die für meine Schüssel passende Sitzkombi gab es leider nur mit Absenkautomatik. Hätte ich 4 Kinder im Haus oder gesundheitliche Einschränkungen, die den Einsatz einer solchen Automatik rechtfertigen, ok. Ich wohne hier aber allein und ob sich der WC-Deckel nun flüsterleise senkt oder nicht ist eigentlich egal, auch in Bezug auf häusliche Ruhestörung. Wenn ich Zwiebeln oder Bohnen esse, ist das Absenken des WC-Deckels für meine Nachbarn sicherlich das geringste Problem.

Aus meiner Not heraus kaufte ich die Sitzkombi. Wer schon mal ohne auskommen musste, versteht auch warum ich hier von Not schreibe. Das Ding wurde schnell geliefert und die Montage dauerte nicht länger als 10 Minuten. Was für ein herrliches Gefühl, endlich wieder entspannt thronen zu können. Königlich fühlte ich mich allerdings nur drei Wochen lang, danach revoltiere die Absenkautomatik. Mittlerweile verstehe ich mich mehr als Wrestler, der seine WC-Kombi nach dem Geschäft mit Krafteinsatz nach unten ringen muss.

Hier greift eigentlich die Gewährleistungspflicht. Aber mal ehrlich, wer schickt schon eine benutzte WC-Brille an den Verkäufer zurück.

Das sich der Kauf einer WC-Kombi im Internet zum Alptraum entwickeln kann, hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht. Stellt euch vor, ihr braucht einen neuen Fernseher und der Händler gibt in seiner Produktbeschreibung an: Handelsüblicher Fernseher, passt in jedes Wohnzimmer. Ob das wohl ausreicht?

Vielleicht sollte ich in das Internet-Klodeckel-Business einsteigen. Da gibt es wirklich viel zu tun.

Andreas

Nicht mehr so ganz knackig, Audiofreak, ehemaliger Mailbox- und Forenbetreiber.

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