ASMR – Ohren kneten

Bildausschnitt eines Ohrs ins schwarz weiß, mit Ohrstecker in Form eines Totenkopfs.
Photo by Christof Görs on Unsplash

Es wirkt erst mal etwas befremdlich, wenn Mikrofone mit Pinseln und anderen Utensilien bearbeitet werden, aber letztendlich ist ASMR auch Sounddesign.

Fangen wir erst mal damit an was ASMR eigentlich ist.

ASMR steht für Autonomous Sensory Meridian Response und bezeichnet das Wahrnehmen eines kribbelnden, angenehmen Gefühls auf der Haut, sogenannte Tingles. Es beginnt meistens auf der Kopfhaut des Hinterkopfs und bewegt sich entlang des Nackens und der oberen Wirbelsäule bis hin in den Schulterbereich. Ausgelöst wir das angenehme Gefühl durch bestimmte akustische und optische Reize. Das funktioniert nicht bei jedem Menschen, aber auch ohne das sensorische Erleben kann man Entspannung erfahren.

Die akustischen Sinnesreize müssen direkt im Ohr stattfinden. Von daher nutzt man sehr häufig binaurale Mikrofone, mit Nachbildung unserer Ohren. Diese Ohren werden dann gerieben oder vor ihnen Materialien geknetet und bearbeitet, Wattestäbchen, Pinsel & Co in den nachempfundenen Hörkanal gesteckt und vieles mehr. Als Hörer kommt es einem so vor, als wenn das alles direkt in den eigenen Ohren passiert. Von daher funktioniert ASMR auch nur mit Kopfhörern.

Das mag für manche Menschen fürchterlich klingen, aber für andere ist das Entspannung pur.

ASMR ist einfach nur schlechter Content

ASMR-Ersteller:innen werden oft nicht ernst genommen. Mikrofone kneten kann jeder, nur stimmt das so nicht ganz. Egal ob man ASMR nun mag oder nicht, aber nehmt mal ein Mikrofon in die Hand und bürstet es mit einem Pinsel. Ihr werdet schnell merken, dass eure Aufnahme nur so von Peaks durchzogen ist. Einfach mal darauf los pinseln ist nicht, da muss man sich schon etwas mit Audio beschäftigen. Es sind oft Erfahrungswerte, die eine gute Audioqualität in diesem Bereich ausmachen. Sounddesigner machen manchmal nichts anderes. Das Geräusch vom Laserschwert aus Star Wars ist auch nicht rein digital entstanden.

Die andere Seite von ASMR

Leider gibt es in diesem Bereich einen Trend, den ich persönlich schade finde.

ASMR wird zunehmend sexueller. Da lecken oft leicht bekleidete Frauen an Mikrofonen rum usw. Das ist grundsätzlich nicht verwerflich, nur setzt das viele ASMR- Ersteller:innen unter Druck. Sex sells, und wenn man da nicht mitmachen möchte verliert man vielleicht Konsumenten. Ganz besonders sichtbar ist das bei Twitch.tv.

Ich möchte einfach mal eine Lanze für ASMR-Ersteller:innen brechen. Man muss ASMR nicht mögen, aber die oft abwertende Haltung finde ich nicht gerechtfertigt. Allein schon das Wissen um Klangverhalten einzelner Utensilien ist nicht lapidar. Auch im Bereich Sounddesign sammelt man Erfahrungswerte durch das verwenden unterschiedlicher Materialien, Techniken und Co.

Und wenn es Menschen gibt, die mit ASMR entspannen können, dann ist das doch eine gute Sache.

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