Alternativen für Pocket: Wallabag, raindrop.io, Nextcloud?

Alternativen zu Pocket
Bildquelle: Gerald – Pixabay

Nachdem für den Dienst Pocket bald ein Firefox-Konto Voraussetzung ist, habe ich mich mal nach anderen Lösungen umgeschaut.

Vorwort

Persönlich mag ich keine mit meinem Browser verknüpfte Konten. Das ist auch einer der Gründe, warum ich Microsoft-Edge nie nutzen würde. Gleiches gilt für Google-Chrome, in Verbindung mit einem Google-Konto. Warum und Weshalb würde jetzt zu weit führen.

Pocket ist ja schon länger integraler Bestandteil des Firefox-Browsers. Bislang konnte man den Dienst auch ohne ein Firefox-Konto nutzen. Man benötigte nur ein Pocket-Konto und das zugehörige Add-On für den Browser. Bis zum 30. Juni 2022 ist das nicht mehr möglich und so wie ich es verstanden habe, wird das zugehörige Add-On für den FF auch nicht mehr weiterentwickelt. Das macht letztendlich auch keinen Sinn, da Pocket ja schon im Browser integriert ist. Allerdings muss ich mich dann immer mit meinem Browser am Firefox-Konto anmelden um den Dienst nutzen zu können. Letztendlich bleibt man dann gleich angemeldet, sonst macht das ja wenig Sinn.

Auch wenn man konfigurieren kann welche Daten an Mozilla übertragen werden, angefangen vom Browserverlauf bis hin zu gespeicherten Passwörtern (natürlich verschlüsselt), installierte Add-Ons und einiges mehr, möchte ich Mozilla so wenig wie möglich Metadaten senden. Der große Vorteil am Firefox-Browser ist nämlich, man kann ihn sehr datensparsam konfigurieren. Ein Firefox-Konto führt diese Möglichkeit meiner Meinung nach ad absurdum.

Und ja, mir ist natürlich klar das auch das alte Pocket-Konto tiefere Einblicke in mein Leben zulässt, genauso wie viele andere Dienste auch. Nur sollte man das meiner Meinung nach nicht einfach so hinnehmen. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Warum ein Bookmark-Dienst

Ich lese gern auf meinem iPad. Finde ich einen für mich interessanten Beitrag, speichere ich mir den Link ab. Das Problem in meinem Fall, mein Hauptrechner ist ein Windows-PC. Würde ich komplett im Mac-Universum leben, bräuchte ich solche Dienste nicht. Mac-Nutzer können ja die Leseliste im Safari nutzen, die dann auf allen Geräten verfügbar ist.

Im Prinzip bräuchte ich nicht einmal die Archivierungsfunktion solcher Dienste. Mir geht es nur darum, auf allen Rechnern die Bookmarks zur Verfügung zu haben – sozusagen im Sync. Der Vorteil solcher Bookmark-Dienste ist allerdings die Tag- und Suchfunktion. Angenommen man findet eine Seite mit Tipps, dann speichert man sie ab. So kann man sich sozusagen eine Wissensdatenbank aufbauen und in ihr, bei Bedarf, suchen.

Wallabag

Wallabag kommt Pocket schon sehr nahe. Aus den bei Wallabag hinterlegten Lesezeichen (Web-Adressen) zieht sich die Open Source Software einen Textauszug. Überflüssige Seiteninhalte der Original-Website werden entfernt und ermöglichen ein angenehmeres Lesen. Zudem ist der Textauszug auch von allen Tracking-Mechanismen der Original-Seite befreit und lässt sich auch als Link, PDF, HTML, ePub oder Mobi speichern.

Hinzu kommt eine wunderbar funktionierende Volltextsuche, die einem bei Pocket nur als zahlender Kunde zur Verfügung steht. Natürlich lassen sich auch Tags (Schlagworte) zum besseren Auffinden verwenden. Zudem wird der Lesestand synchronisiert und es gibt einen gelesen / ungelesen Status.

Wallabag kann auch hinter Paywalls schauen und den Volltext dieser Artikel herausziehen – ein gültiges Abo natürlich vorausgesetzt. Alle Texte werden in einer Datenbank abgelegt und sind auch dann noch vorhanden, wenn die ursprüngliche Website schon längst offline gegangen ist.

Es wäre alles so schön, wenn nicht …

Tja, als iOS-Nutzer ist Wallabag für mich leider nicht praktikabel. Die Wallabag-App ist unter iOS gelinde gesagt eine Katastrophe. Bei meinem Test ließen sich angelegte Lesezeichen über die App nicht löschen. Zudem schien die Synchronisierung auch nicht richtig zu funktionieren. Löschte ich Einträge über das Webinterface, waren sie in der App unter iOS noch vorhanden. Natürlich kann man auch alles über das Webinterface regeln, was dann auch funktioniert, nur praktikabel ist das bezogen auf meinen Anwendungsfall leider nicht. Das Add-ON für den Firefox-Browser funktioniert hingegen sehr gut.

Man sollte allerdings nicht vergessen, dass es sich hier um Open Source Software handelt. Ich werde Wallabag auf jeden Fall im Auge behalten.

Wer Wallabag nicht selbst auf einem Server oder dem heimischen NAS installieren will oder kann, für den besteht auch die Möglichkeit sich eine Instanz zu mieten.

Raindrop.io

Raindrop.io würde ich als Schweizer Taschenmesser unter den Bookmark-Diensten bezeichnen. Für jedes Betriebssystem gibt es funktionierende Apps und die Möglichkeiten scheinen sehr vielseitig zu sein.

Leider kann ich aus folgenden Gründen nicht viel über raindrop.io schreiben. Ich hätte den Dienst gern ausgiebig getestet, nur sitzt der Betreiber nach meinen Recherchen in Russland. Bitte nicht falsch verstehen, ich möchte weder in Russland lebende Menschen diskriminieren noch hege ich Hass gegen das russische Volk. Meine Überlegung war eine andere.

Aufgrund der derzeitigen Situation in Europa und den starken Wirtschaftsanktionen bin ich mir nicht sicher, ob sich der Dienst weiterhin finanzieren kann. Zudem stellt sich mir auch die Frage, ob raindrop.io über das Internet zukünftig überhaupt noch erreichbar sein wird. Von daher habe ich erst mal davon abgesehen mir dort ein Verzeichnis anzulegen. Sollte sich die wirklich schlimme Lage irgendwann mal wieder entspannen, was ich von Herzen hoffe, werde ich das nachholen.

Nextcloud Bookmark

Das ist die Lösung, die ich erst mal gewählt habe. Da ich über eine Nextcloud verfüge, habe ich mir dort die Bookmark-App installiert. Diese Lösung ist natürlich nicht mit Diensten wie Wallabag oder raindrop.io zu vergleichen, denn es lassen sich nur einfache Bookmarks speichern – ohne das ganze drumherum.

Bookmarks lassen sich in Verzeichnissen organisieren und mit Tags versehen. Zudem gib es auch eine Suchfunktion, die allerdings auf die Beschreibung von Bookmarks beschränkt ist – da ja kein Textauszug existiert.

Als App auf meinen iOS-Geräten nutze ich nextBookmark, die zuverlässig funktioniert.

Das ist zwar keine Premiumlösung, aber für mich funktioniert das erst mal. Damit eine private Wissensdatenbank aufzubauen würde ich allerdings ausschließen. Da sind Bookmark-Dienste, gerade wenn man sie selber hosten kann, die bessere Lösung.

Auch hier gilt, wer selber keine Nextcloud betreiben kann findet günstige Hostingangebote.

Ach Mensch, Wallabag wäre genau mein Ding. Hoffentlich erfährt die iOS-App durch die Open-Source-Gemeinde bald mal mehr Liebe.

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